Kuhglocken zur ersten Stunde

Es gibt praktisch nur einen Leseort, wo man nicht gegen ein kleines Gemurmel aus der letzten Reihe, sondern gegen größeres Glockengebimmel vor dem Klassenzimmer anreden muss: Die Ostschweiz. In Marbach haben die Kühe nämlich direkt vor dem Fenster der sechsten Klasse gegrast und immer mal wieder auf sich aufmerksam gemacht. Herrlich! Und das war es auch in den vergangenen Tagen in der Schweiz. Ich habe so viele unglaublich nette Kinder, Lehrerinnen, Lehrer, Eltern und Schulmenschen kennengelernt, dass ich am Freitagnachmittag ganz beseelt mein Köfferchen gepackt habe. Einfach tiptop. Und das Dank der tollen Vorbereitung durch Kklick und den vielen unglaublich netten und engagierten Lehrpersonen vor Ort.

In St. Gallen und in Mosnang haben wir gleich mal die neuen Bands gecastet, die künftig die Bühnen des Ortes aufmischen werden. In Wallenwil und Marbach haben wir bei tiefster Dunkelheit eine „Nacht in der Schule“ simuliert. Und in Schaffhausen wartete eine lustige Begegnung auf mich: Dort saß Jerome inmitten des Publikums. Bei manchen der jungen Bücherhelden gab es schon mal die eine oder andere Namensgleichheit – schließlich lausche ich immer ganz genau bei meinen Lesungen und klaue mal hier und mal da ein paar Namen für meine Figuren. Aber jemanden, der so heißt wie der „Fast perfekte Fee“? Das gab es bisher noch nicht. In Marburg saßen dann am Tag darauf prompt bei „Die Nacht in der Schule“ sowohl ein Jamie als auch eine Sophia in den Reihen – auch das passte wundervoll.

Es war mal wieder rundum wunderbar in der vergangenen Woche. Alles drin, was die Lesereisen rund um St. Gallen immer so einzigartig machen: Kuhgeläut, der Bodensee, ein kreatives St. Gallen, der Rheinfall, Kägi-Schokolade und sauleckeres Toggenburger Mandelgebäck aus Ganterschwil, so viele schöne Begegnungen, krasse Fragen, wunderbare Veranstalter und tolle Kolleginnen und Kollegen: Jutta Nymphius (im Bild), Maja Nielsen, Doris Lecher, Irmgard Kramer, Karin Bachmann, Sabine Rufener uvm. Nur bei einer Sache könnte ich mich beschweren: Der Schweizer ÖV hat gleich zweimal Anleihen bei den deutschen Nachbarn genommen: Einmal war ein Bus falsch beschriftet und ich bin in die falsche Richtung gefahren (zum Glück im Kreis, sodass ich danach in die richtige Richtung starten konnte) und dann ist doch tatsächlich ein Zug mitten auf der Strecke nicht weitergefahren. Von solchen Anekdoten berichte ich normalerweise immer von meinen deutschen Lesereisen, das muss die eine Ausnahme gewesen sein, die nie wieder vorkommt …

Eines muss natürlich noch erzählen: Für die Wort-Acker-dem-ih „Linsklesestärke“ (www.linkslesestaerke.de) habe ich ein neues Wortspiel mitgenommen aus Marbach: Organ-isieren.

Ach ja, und alle Kolleg:innen, die hier noch lesen werden in diesem Frühling: Unbedingt die Ausstellung im open art museum ansehen über die beeindruckende Schriftstellerin und Künstlerin Adelheid Duvanel, die ein Großteil ihres Werks in der Psychiatrie schuf. Da durfte ich wieder eine andere der vielen kreativen Seiten von St. Gallen entdecken.

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