Vorlesen!

Vergangene Woche war ich unterwegs in Feldkirchen-Westerham und Holzkirchen mit Landtagspräsidentin Ilse Aigner und dem dritten Band der „Isar-Detektive“ zum bundesweiten Vorlesetag. Natürlich hat die Präsidentin auch selbst vorgelesen – war ja schließlich Vorlesetag und die „Isar-Detektive“ sind schließlich das Leseförderprojekt des Bayerischen Landtags! Und die bayerischen Landtagsabgeordneten gehen rund um den Vorlesetag damit in die Schulen und stellen das Buch vor.

Dabei kann die Landtagspräsidentin nicht nur gut vorlesen, sondern auch fulminant kickern. Das steht schließlich genauso im Band 3 „Eine Falle für die Fahrraddiebe“. Und was im Buch steht ist bekanntlich immer richtig, gell? Vielleicht waren aber auch die Holzkirchner Kinder, die uns herausgefordert haben an ihrem Schulkicker, nur höflich und haben uns gewinnen lassen. Denn wundersamerweise habe sogar ich einen Treffer erzielt. Egal, toll war’s und sehr, sehr kurzweilig. Gewonnen haben die jedenfalls die Kids – ein neues Buch zum Lesen oder Vorlesen, je nachdem.


Fotos: Gabriele Dorby

Lesen öffnet Welten

„Sie haben eine richtig schöne Autorenstimme“. Bei solch fundamentalen Komplimenten mag man gar nicht mehr aufbrechen und möchte am allerliebsten einfach nur bleiben. Und irgendwie schien es den Kindern in Hergiswil ganz genauso zu gehen. Denn die Schülerinnen aus der Klasse wollten sich zumindest mal mit einer Umarmung verabschieden. Übrigens war es nicht nur in Hergiswil so herzlich. Auf der gesamten Reise mit „Kultur aus erster Hand“ durch das Land um Luzern haben sie es mir total leicht gemacht, Land und Leute ins Herz zu schließen. Mit viel Schoggi, supernetten Mediatheks-Leiterinnen, witzigen – und vor allem: sehr belesenen Kindern.

In Steinhausen kamen die SchülerInnen mit – ungelogen! – meterlangen Fragezetteln ein. Ob ich lieber für Jungen oder Mädchen schreiben würde, stand da zum Beispiel drauf. Knifflige Frage. Für freche Kinder, sage ich nach einigem Überlegen, egal ob Jungs oder Mädchen. Was ich geworden wäre wenn nicht Autorin? Oha, Konditorin vielleicht? Jedenfalls mussten wir mittags die Location räumen – für die Yogastunde der Lehrer. Und das diese Stunde absolut Wirkung zeigt, konnte ich sofort sehen, so entspannt und warmherzig wie der Empfang dort war. Toll.

In Stans haben sie sogar eine eigene Abteilung mittlerweile für „Super lesbar“-Bücher von Gulliver. Da ist natürlich auch ein Janotta-Buch dabei: „Die Nacht in der Schule“. Aber dort habe ich dann doch – wie überall in auf dieser Lesereise – aus der „Linkslesestärke“ gelesen. Mein Schweizer-Deutsch muss noch besser werden – denn was ein Drück-Chäschtli ist, habe ich leider nicht ganz begriffen. So was wie ein Tischkicker vielleicht? Oder ein Flipper? Kann mir jemand helfen, bitte? Hier ist das gemalte Wort-Spiel dazu.

In Entlebuch, einem Ort, wo es in abenteuerlichen Serpentinen hoch hinaus ins Schulhaus geht (danke fürs Abholen, übrigens!) gibt es einen Lesekreis mit 19 Hockern, unter jedem liegt ein dickes Buch, das die Kinder lesen können, bis die Pause zu Ende ist. Ziemlich coole Idee, weil so auch ein paar von den Jungs, die nicht so gern lesen, dicke Schmöker angehen. Überhaupt, das Lesen ist einfach ein superwichtiges Anliegen in den Schulen rund um Luzern. Große und üppig ausgestattete Schul-Mediatheken lassen wirklich nicht den geringsten Wunsch offen.

Dass die Kids so viel lesen, Bücher und der Umgang für sie selbstverständlich ist und dass sie auch über Bücher und Autoren so viel wissen, liegt bestimmt an einer ganz besonderen Frau im Kanton: Leslie Schnyder. Sie organisiert Jahr für Jahr die Lesereisen im Herbst. Dieses Jahr zum 50sten Jubiläum von „Welten öffnen“, hat sie 50 deutsch- und schweizerdeutschsprachige Autoren nach Luzern gebeten, die alle innerhalb von drei Wochen über 700 Lesungen absolvieren. Da kommen einige schon viele und lange Jahre nach Luzern, was wir in den langen und ereignisreichen AutorInnenabenden ausführlich diskutiert haben. Da kann ich wirklich sehr gut verstehen, dass ein Kollege gesagt hat, Luzern sei immer sein liebster Termin im Lesungsjahr.

Danke für die Einladung. Darf ich wiederkommen? Nicht nur wegen Schoggi und den Umarmungen? Denn „Schullesungen eröffnen Welten“. Übrigens auch für die lesenden AutorInnen.

Nachdem ich diese Woche nur mit der „Linkslesestärke“ getourt bin, habe ich jede Menge neue Worträtsel mitgebracht. Wollt Ihr mal sehen? Wie immer findet Ihr alle Wortspiele hier in der Wort-Acker-dem-ih auf www.linkslesestaerke.de

Von Fredericksmäusen und Trommelwirbel

Es ist fast schon ein bisschen Tradition, dass wir Schreibende im Oktober nach Baden-Württemberg reisen auf den Spuren der Maus Frederick von Helme Heine. Denn die Maus, die lieber Farben und Wörter sammelt für den Winter, ist das Vorbild für den Frederickstag, einer – entgegen dem Namen – mehrtägigen Veranstaltungsreihe mit vielen Lesungen für Kinder im ganzen Bundesland. Auch ich war eine ganze Woche unterwegs durch die schönen Städte im Südwesten von Deutschland.

Und wieder musste ich feststellen, dass die Schönheit von Baden-Württemberg, die sich in Stuttgart nun nicht unbedingt gleich erschließt, in der Provinz liegt. Nur mit dem Wettermacher muss ich noch ein ernstes Wort reden: Denn ausgerechnet in Blaubeuren, wo die Reise begonnen hat, hat es in Kübeln geschüttet, sodass ich den Blautopf leider nicht erkunden konnte. Aber wer weiß, vielleicht, ist das ja auch ein guter Grund, um wiederzukommen. Die Bücherei, fast sechs Jahrhunderte alt, wäre ganz definitiv ein Grund , ebenso wie ihre wunderbar warmherzige Leiterin Frau Hoguet-Berger.

In Bisingen einen Tag später gab’s für mich eine Premiere der besonderen Art. Zwar spielt „Die Nacht in der Schule“ im Musiksaal, aber gelesen habe ich das Buch noch nie in einem. Und schon gar nicht in einem, in dem ein komplett funktionstüchtiges Schlagzeug steht. Klar, dass wir die entsprechende Schlagzeug-Szene mit echtem Trommelwirbel spielen mussten. Super war’s.

In Murr liest die ganze Stadt. Ungelogen. Bei den Lese-Rallyes packt sogar der Bürgermeister ein Buch aus und liest den anwesenden Gästen vor. Das muss an der rührigen Frau Nikolaizig liegen, die das Lesen von der Bücherei in die Stadt trägt. Auch die Grundschulklassen, die bei mir „Fanny und der fast perfekte Fee“ gehört haben, sind eifrig lesend unterwegs. Meine „Linkslesestärke“ hatten sie „zur Einstimmung“ schon mal vorab gelesen. Deswegen wollte ein Zweitklässler auch gleich wissen, warum es bei mir so viele Schimpfworte gäbe. Also ja, äh, ach … Verdammt, ertappt.

In Baisingen kamen sie alle, die erste, zweite, dritte und vierte Klasse, über 40 Kinder der superkleinen Dorfschule, in der es sehr warmherzig und liebevoll zugeht. Da passte „Annemone Apfelstroh“ wunderbar ins Programm. In der Realschule in Vaihingen (Enz) waren sie mit vielen, sehr spannenden Fragen mit dabei beim „Theoretikerclub“. Und dann ging es nochmals nach Öhringen, wo ich für den erkrankten Matthias Jeschke (gute Besserung, lieber Kollege!) einspringen durfte. Da war ich ja letztes Jahr schon, bin aber immer noch ein Riesenfan des Lesesaals in der Bücherei. Hier saßen nämlich früher die Ritter und tagten hinter Butzenscheiben und einer unglaublich beeindruckenden Einlass-Tür. Bilder davon gibt es übrigens auch hier.

Ach ja, und weil ich wirklich nahezu aus allen aktuellen Büchern vorgelesen habe, habe ich natürlich auch für die „Linkslesestärke“ einige neue Wortspiele mitgebracht: